Eine sagenhafte Idee kommt in Fahrt

Links: Die Veröffentlichungen und Belege auf der linken Seite sind im nachfolgenden Text gekennzeichnet und verlinkt.

Am 19. März 2021 wurde in einem gemeinsamen Schreiben der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) und der Kultusministerkonferenz über die IKE-Geschäftsstelle den beiden Antragstellern Dr. Hartmut Schmied und Wolfgang Woitag für alle 75 beteiligten Sagen-Akteure mitgeteilt, dass „die Vielfalt des Sagenerzählens in Mecklenburg-Vorpommern in das Register Guter Praxisbeispiele der Erhaltung Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.“ In einem weiteren CRYPTONEUM-Beitrag finden sich ergänzende Informationen.

Wie der jahrelange Weg bis zur Aufnahme in das IKE-Verzeichnis der DUK verlief, das zeichnet nachfolgende chronologische Darstellung der Aktivitäten rund um die Sagenwelt Mecklenburg-Vorpommerns nach:

2003: Das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von 2003 zählt die (zunächst) fünf Bereiche des IKE auf: a) mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Träger des Immateriellen Kulturerbes; b) darstellende Künste; c) gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste; d) Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum; e) traditionelle Handwerkstechniken.

2006: Im IKE-Memorandum der Deutschen UNESCO-Kommission von 2006 (nachfolgendes Zitat siehe IKE-Sonderheft 2017 des Museumsverbandes in MV, Seite 65.) werden die Sagen bereits als IKE aufgezählt, später wird der erste Punkt wieder allgemeiner dargestellt: „17. Immaterielles Kulturerbe findet vorwiegend in folgenden fünf Bereichen (vgl. Art 2, a-e) seinen Ausdruck: – Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Träger des Immateriellen Kulturerbes; zum Beispiel Sagen, Märchen, Erzählungen, Epen, Gesangsepen, Regionalsprachen.“

2011: In der zweiten Auflage von Hartmut Schmied, Geister, Götter, Teufelssteine. Sagen und Legenden-Führer Mecklenburg-Vorpommern, Rostock 2011 wird im Vorwort (Seite 6) bereits die regionale Sagenwelt des Bundeslandes in Bezug zum Immateriellen Kulturerbe gestellt und dann in weiteren Auflagen das ab 2013 in Deutschland ankommende IKE-Thema präzisiert.

2013: Das „UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immaterielles Kulturerbes“ wurde am 10. Juli 2013 in Deutschland rechtswirksam. In einer ersten Runde waren Gerd Heil vom Forst- und Köhlerhof Wiethagen, Dr. Christioph Schmitt, Leiter der Wossidlo-Forschungsstelle für Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Universität Rostock und Dr. Hartmut Schmied, CRYPTONEUM Legenden-Museum im Mai 2013 dabei. (Siehe Hartmut Schmied, Die Hüter der heimischen Sagenwelt. IKE-Antrag zum Sagenerzählen in Mecklenburg-Vorpommern, in Museumsmitteilungen 2019, Seiten 89 und 90.)

2014: Der Museumsverband in Mecklenburg-Vorpommern e.V. stellte seine Herbsttagung am 12. und 13. Oktober 2014 unter das Motto „Immaterielles Kulturerbe – ein Thema für Museen?“ (Siehe Hartmut Schmied, Aktivitäten des Arbeitskreises Immaterielles Kulturerbe im Gründungsjahr 2015, in Museumsmitteilungen 2015, Seite 34.)

2015: Am 24. März 2015 wurde der Arbeitskreis Immaterielles Kulturerbe (AK IKE) gegründet, der wegen der Vielzahl der beteiligten Museen beim Museumsverband in Mecklenburg-Vorpommern e.V. angesiedelt wurde. Die AK-Leitung übernahm als AK-Sprecher zunächst für ein Jahr Hartmut Schmied.  (Siehe Hartmut Schmied, Aktivitäten des Arbeitskreises Immaterielles Kulturerbe im Gründungsjahr 2015, in Museumsmitteilungen 2015, Seite 34.); 03. AK IKE-Workshop am 16.06.2015 im Freilichtmuseum für Volkskunde Schwerin-Mueß (Video-Dokumentation)

2016: Innerhalb des Arbeitskreises IKE (AK IKE) wurden, ausgerichtet an der Interessenlage der Workshop-Teilnehmer, mehrere Projektgruppen gebildet. Die Leitung der Projektgruppe „IKE-Praxisbeispiele aus MV & Anwendung von Methoden zum Erhalt“ übernahmen die Museumsleiterin der Mönchguter Museen auf Rügen Ellen Melzer sowie Hartmut Schmied. Den untergeordneten Bereich „Sagen und Volksglaube/Aberglaube“ übernahm ebenso Hartmut Schmied, der eine Bewerbung zum Thema Sagen in MV von Anfang an verfolgte. (Siehe Hartmut Schmied, Landesliste, Rote Liste, Museumsalltag und IKE. Der Arbeitskreis Immaterielles Kulturerbe im Jahr 2016, in Museumsmitteilungen 2016, Seiten 92 und 93.); 06. AK IKE-Workshop am 01.03.2016 im STRALSUND MUSEUM (Video-Dokumentation); 07. AK IKE-Workshop am 03.05.2016 im Salzmuseum Bad Sülze (Video-Dokumentation)

2017: Die IKE-Bewerbungen MV für 2017 und 2019 wurden im AK IKE in Angriff genommen. 2019 wurde als Bewerbungsjahr für das „Sagenerzählen in MV“ geplant. Beim „Festival des IKE“ in Schwerin-Mueß im Mai 2017 trafen sich erstmalig einige Sagenfreunde des Landes, um das Vorgehen für 2019 zu besprechen. Eine von Hartmut Schmied koordinierte IKE-Umfrage unter der MV-Museen wurde zum Jahresende 2017 gedruckt. (Siehe Hartmut Schmied, Aller guten Dinge sind drei … Der Arbeitskreise Immaterielles Kulturerbe im Jahr 2017, in Museumsmitteilungen 2017, Seiten 87 und 88.); 09. AK IKE-Workshop am 14.03.2017 in der OstseeSparkasse Rostock (Video-Dokumentation), 10. AK IKE-Workshop am 21.11 2017 im Darß-Museum Prerow (Video-Dokumentation); Zum Jahresende 2017 übergab Hartmut Schmied nach 2015, 2016 und 2017 die Leitung des AK IKE geplant an die neue Sprecherin Antje Hückstädt (Museumsleiterin Darß-Museum Prerow). Hartmut Schmied konzentrierte sich nun verabredungsgemäß auf die zum Thema Sagen einzureichende IKE-Bewerbung 2019.

2018: Aus der Runde der Sagenfreunde vom Mai 2017 in Schwerin-Mueß übernahmen Wolfgang Woitag (Vorsitzender des Sagen- und Märchenstraße MV e.V.) und Hartmut Schmied (CRYPTONEUM) die Koordination des ehrenamtlichen Bewerbungsprojektes und organisierten die Verbreitung des Aufrufes vom 16.11.2018 zum IKE-Projekt 2018/19 „Die Vielfalt des Sagenerzählens in Mecklenburg-Vorpommern“ sowie die Absprachen mit Sagenerzählenden aus ganz Mecklenburg-Vorpommern.

2019: Das Aufnahmeverfahren 2019-2021 für das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes stellte mit dem 30. Oktober 2019 die Frist für die letztmögliche Einreichung des IKE-Antrages. Zum Zeitpunkt einer Bilanz der bisherigen Antragsaktivitäten (Deadline für den Beitrag „Die Hüter der heimischen Sagenwelt. IKE-Antrag zum Sagenerzählen in Mecklenburg-Vorpommern“war der September 2019) standen 70 Sagenerzählende auf der internen Liste. Bis zur fristgerechten Einreichung im Oktober 2019 waren es insgesamt 75 Sagenerzählende aus ganz MV. (Siehe Hartmut Schmied, Die Hüter der heimischen Sagenwelt. IKE-Antrag zum Sagenerzählen in Mecklenburg-Vorpommern, in Museumsmitteilungen 2019, Seiten 89 und 90.)

2020: Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern reichte entsprechend dem Aufnahmeverfahren der 4. Bewerbungsrunde 2019-2021 den Antrag „Die Vielfalt des Sagenerzählens in Mecklenburg-Vorpommern“ als einen von maximal vier Bewerbungen jedes Bundeslandes an das Sekretariat der Kultusministerkonferenz weiter. Still ruhte dann der See für die Antragsteller. Bis zum April 2021 war über die zwischenzeitlichen Bewertungen und den Status der Bewerbung nichts zu erfahren. In der gedruckten Broschüre Immaterielles Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern erleben, Prerow 2020 (Redaktion: Antje Hückstädt, Dorina Kasten) wurde der 2019 zum „Sagenerzählen“ gestellte IKE-Antrag auf Seite 30 bereits angekündigt.

2021: Am 19. März 2021 wurde in einem gemeinsamen Schreiben der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) und der Kultusministerkonferenz über die IKE-Geschäftsstelle den beiden Antragstellern Dr. Hartmut Schmied und Wolfgang Woitag für alle 75 beteiligten Sagen-Akteure mitgeteilt, dass „die Vielfalt des Sagenerzählens in Mecklenburg-Vorpommern in das Register Guter Praxisbeispiele der Erhaltung Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde.“ Das IKE-Logo zur Eintragung der Bewerbung „Die Vielfalt des Sagenerzählens in Mecklenburg-Vorpommern  in das Register Guter Praxisbeispiele im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes am 19. März 2021 darf nun in Abstimmung mit der DUK für die Arbeit der Sagenerzählenden genutzt werden.

Weitere Informationen im CRYPTONEUM-Beitrag: „Die Vielfalt des Sagenerzählens in Mecklenburg-Vorpommern“ wurde durch die Deutsche UNESCO-Kommission ins Register Guter Praxisbeispiele des Immateriellen Kulturerbes (IKE) aufgenommen

Bild: Holzbildhauer Harald Wroost beim Erklären der Sage über Dietrich von der Lünenburg auf dem Skulpturenpfad des Forst- und Köhlerhofes Wiethagen; Foto Hartmut Schmied