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Rostock - Die Rostocker Aalschlange am Rathaus

Text aus: Hartmut Schmied, Geister, Götter, Teufelssteine. Sagen- & Legendenführer Mecklenburg-Vorpommern 2018, 3. Auflage, Rostock 2018, Seite 156-157
BU: Rathaus-Schlange in Rostock, Foto: Hartmut Schmied

Rostock, Mecklenburg-Vorpommern

Die Rostocker Aalschlange am Rathaus

Die heute bronzene Schlange an der nördlichsten Eingangs-Doppelsäule des Rathausvorbaus am Neuen Markt bewahrt noch immer das Geheimnis ihrer Herkunft. Mitten im Herzen der Hansestadt »lebt« sie unauffällig. Schlangen symbolisieren durch ihre alljährlichen Häutungen Unsterblichkeit. So einige »Häutungen« und Verjüngungskuren hat das Rostocker Tier schon hinter sich. Der barocke Vorbau des Rathauses stammt aus den Jahren 1727/29.

Erste mündliche Überlieferungen zur Schlange reichen aber nur bis zum Anfang des 19. Jh.. Über hundert Jahre ist das Reptil mit Sicherheit alt, da der Heimatforscher und Rostocker Stadtarchivar Ludwig Krause (1863 –1924) es im Jahre 1882 gezeichnet hat. Damals ringelte sich die Schlange, aus einer Kalkmasse gefertigt, noch vollständig um die Säule.

1927 wurde die Rathausfassade gestrichen und dabei die inzwischen wohl sehr schlecht erhaltene Schlange trompetenförmig aus Zement zwischen beide Säulen gelegt. Ihre ursprüngliche Länge von 1,30 m behielt sie. So überdauerte sie auch die Bombenangriffe auf Rostock, denn im Wesentlichen blieb das Rathaus mit Ausnahme des spätgotischen Ratsstubenbaus erhalten, während ringsum die meisten Häuser in Schutt und Asche fielen.

Bis 1989 veränderte sich das Aussehen des Zement-Tierchens sehr zu seinem Nachteil. Da im Volksmund das Reptil auch als Aal gehandelt wurde, hatte man wohl in diesen Zeiten wenig Wert darauf gelegt, Werbung für den seltenen Fisch zu machen. Seit Dezember 1993 war es wieder ganz sicher eine Schlange (eine Kreuzotter?) – erstmalig aus wetterbeständiger Bronze – aber schon bald wieder ohne die gespaltene Zunge.

1997 wurde die Schlange aus ihrer Halterung gerissen und tauchte erst vier Jahre später auf. Die Rostocker Volks- und Raiffeisenbank sponserte 1998 eine Neuanfertigung. Der Rostocker Kunstformer Erhard John gestaltete ein Fabelwesen: eine Schlange mit Aalschwanz. Somit wurden zwei Legenden verbunden. Die Zunge des Bronzetieres zeigt außerdem eine römische Fünf – es ist bereits die (mindestens) fünfte Schlangen-Generation am Rathaus. Die neue Schlange wurde 1998 am Stadtgeburtstag (24. Juni – Johanni) auf den Namen Johannes getauft. Sie auf dem Kopf zu streicheln, soll Glück bringen.

Text aus: Hartmut Schmied, Geister, Götter, Teufelssteine. Sagen- & Legendenführer Mecklenburg-Vorpommern 2018, 3. Auflage, Rostock 2018, Seite 156-157
BU: Rathaus-Schlange in Rostock, Foto: Hartmut Schmied