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Rostock - Die Rostocker Aalschlange am Rathaus

Naschendorf, Landkreis Nordwestmecklenburg, Mecklenburg-Vorpommern

Der Teufelsbackofen – ein Erbe der Riesinnen

Der Teufel scheint in Mecklenburg-Vorpommern (und nicht nur da) die wohl häufigste Sagenfigur zu sein. Er tauchte am Galenbecker See auf, seine Großmutter plagte sich an der Recknitz bei Bad Sülze. Man findet ihn als grafisches, warnendes Abbild bei mittelalterlichen Kirchenausmalungen.

Der Teufelsbackofen – ein Erbe der Riesinnen

Zwischen Wismar und Grevesmühlen, unmittelbar an der Bundesstraße 105 liegt im Everstorfer Forst ein Parkplatz, der Ausgangspunkt für einen romantischen Ausflug in die Vergangenheit sein kann. Um ihn zu erreichen, muss man etwa 2 km hinter dem Kirchdorf Gressow nach rechts in Richtung Barendorf abbiegen. Hinter dem Abzweig liegt der Parkplatz, der eine Lageskizze der zwölf Megalithgräber anbietet. Sie zählen schon wegen ihrer Lage im Nadelwald zu den schönsten des Landes, vielleicht ganz Deutschlands. Die „Nordgruppe“ bei Barendorf ist von hier knapp 3 km entfernt.

Der Teufelsbackofen gehört zur „Südgruppe“ der Grabanlagen und liegt nur wenige hundert Meter vom Parkplatz entfernt. Zu Fuß ist man schon bald an der ausgeschilderten Lichtung angelangt. Neben einem Hünenbett von etwa 20 x 5 m Seitenlänge steht der zwei- jochige Teufelsbackofen. Ein paar hundert Meter weiter liegt ein steinzeitliches Großsteingrab (Dolmen) von mehr als 40 m Länge. Die Archäologen gehen von einer Errichtung dieser Grab- und wohl auch Kultanlagen vor etwa 5.000 Jahren aus.

Die Sagen berichten vom Untergang der Riesen, die das alte Heidentum verkörpern, vor etwa 700 Jahren, als die Kirchen errichtet wurden. Die Christenmenschen befreiten sich danach selbst von dem übergroßen Naturvolk. Die Riesenbetten sind der „Beleg“ dafür. Während die Riesen schliefen, wurden sie lebend in ausgehobene Gruben gerollt und Decksteine darüber geschoben. Die Riesen erstickten und liegen dort, wie man glaubte, noch heute begraben.

Der Teufelsbackofen mit aufgetürmten Granitfindlingen hat im Innern glatt geschliffene Tragsteine. Hier sollen die Riesinnen Brot gebacken haben. Als diese im Mittelalter „ausstarben“ und Riesen unglaubwürdig wurden, ordnete man den Platz dem Teufel zu, der hier die menschlichen Sünder „zubereiten“ konnte. Eine gut vorstellbare Drohung, die einem den Kirchgang wieder schmackhaft machte.

Text aus: Hartmut Schmied, Geister, Götter, Teufelssteine. Sagen- & Legendenführer Mecklenburg-Vorpommern, 4. Auflage, Rostock 2022, Seite 104-105

Die Naschendorf-Sage für Kinder:

Wo Riesen schliefen und der Teufel Kuchen naschte

Einst soll es Riesen in Mecklenburg gegeben haben. Wer wissen will, wo sie lebten, sollte nach großen Steinen Ausschau halten. Diese wurden von Eisbergen vor langer Zeit aus dem Norden hierhergeschoben. Weil es schön ist, einen riesigen Stein zu finden, heißen sie Findlinge. Wenn aber mehrere Findlinge geordnet im Wald stehen, hatten die Leute Angst. Dies konnte nur das Werk von Riesen sein.

Nahe der Stadt Grevesmühlen, beim Örtchen Naschendorf, stehen etwa 50 Findlinge. Einige sind so groß wie erwachsene Menschen und zusammen sehen sie aus wie das Bett eines Riesen. Die Menschen hatten früher einigen Ärger mit den Riesen. Alle wollten in dem gleichen Wald wohnen. Und so zankten sie. Wenn ein Riese starb, waren die Menschen deshalb nicht traurig. Sie kamen herbei und schütteten ihn mit Erde zu. So wurde sein Bett zum Grab. Irgendwann starben alle Riesen aus. Weil man die Riesen auch Hünen nannte, heißen die Steine, die daliegen wie ein großes Bett, noch immer Hünenbetten.

Nicht weit von den Hünenbetten entfernt liegt der Teufelsbackofen. Hier sind große Steine wie ein Backofen zusammengesetzt. Darin sollen die Riesen ihr Brot gebacken haben. Später, als sie ausgestorben waren, kochte hier der Teufel sein Süppchen. Nun ist wohl klar, warum es Naschendorf heißt, oder?

Schon gewusst?

Fleißige Forscherinnen und Forscher haben herausbekommen, dass es sich nicht um den Backofen eines Riesen handelt. Und auch der Teufel kochte nicht hier. Es sind nur Geschichten. Bei Naschendorf wurden Menschen wie auf einem Friedhof begraben, vor vielen Tausend Jahren während der Steinzeit. Die großen Steine wurden zu Grabsteinen. Und es waren auch Menschen, die die großen Steine bewegt haben. Sie nahmen große Holzstangen dazu. Mit diesen Stangen brauchten sie viel weniger Muskelkraft, um eine schwere Last zu heben.

Text aus: Hartmut Schmied, Riesen, Zwerge, Fabeltiere. Sagen aus Mecklenburg für Kinder, Wismar 2020, Seite 6 bis 7 

Bild: Teufelsbackofen bei Naschendorf nahe Wismar, Foto: Hartmut Schmied