Barth, Landkreis Vorpommern-Rügen, Mecklenburg-Vorpommern

Im Barther Stadtforst steht die vielleicht einzige noch erhaltene, sich wohl im Sterben befindliche (oder schon tote), sagenhafte Wundereiche des Landes. Sie ist erreichbar über den Stadtausgang Barth in Richtung Westen zum Darß. Statt rechts auf die Halbinsel zu fahren, geht es noch einige Meter weiter, um dann nach links in Richtung Planitz abzubiegen. Ein Fußmarsch in das Barther Stadtholz entlang des südwestlichen Hauptwegs führt schon bald zur ausgeschilderten Wundereiche.

Solche Wundereichen (manchmal auch Buchen) standen in den vergangenen Jahrhunderten in großer Zahl im Lande. Die häufigen mit diesen Wundereichen verbundenen Heilungen bei Leiden wie Rheuma, Gicht oder Lähmungen werden erklärt durch den psychischen Wunder-Effekt und die Willensanstrengung beim Ersteigen.

Bei der Barther Eiche, von der ein Foto aus den 1920er Jahren erhalten ist, gab es das seltene Verwachsen des Hauptstammes mit einem Ast. Dadurch bekam der Baum eine Öffnung, durch die der Heilungssuchende hindurchmusste. In etwa drei Meter Höhe war unterhalb der Öffnung eine Plattform angebracht, auf die man über eine Leiter kam.

Wegen der meist schnellen Heilung sollen bis zu fünfzig Krücken gleichzeitig im Baume gehangen haben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert soll die Heilkraft der Eiche schon versiegt sein. Als Grund wird erzählt, dass ein Schäfer seinen kreuzlahmen Hund durch das Loch geschickt hatte, das den Menschen vorbehalten war. Auch die Öffnung hat sich seitdem verkleinert.

Text: Hartmut Schmied, Geister, Götter, Teufelssteine. Sagen- & Legendenführer Mecklenburg-Vorpommern 2018, 3. Auflage, Rostock 2018, Seiten 19-20

Bild: Wundereiche bei Barth (nahe Planitz), Foto: Hartmut Schmied