Wismar, Landkreis Nordwestmecklenburg

Nixe und Nix

Die Wasserversorgung in einer Stadt mit vielen Brauereien und anderem wasserverarbeitenden Gewerbe, bei gleichzeitigem Schutz vor feindlichen Angriffen, war eine große Aufgabe. Die einst überirdischen Leitungen wurden unterirdisch verlegt. Mit dem Bau der Wasserkunst am oberen Ende des Marktes floss das Wasser ab 1602 in über 200 Häuser und ein gutes Dutzend öffentliche Freipfosten (kostenfreie Schöpfstellen). Der vom holländischen Baumeister Philipp Brandin von 1580 bis 1602 erbaute pavillonartige Prunkbau diente bis 1897 der Wasserversorgung der Stadt und wurde dann vom Wasserturm abgelöst.

Südlich der Stadt kam das Quellwasser aus Metelsdorf. Zur Sicherheit floss das Wasser durch zwei verschiedene von dort verlegte Leitungen, die zur Unterscheidung „Mannrohr“ und „Weibsrohr“ hießen, da sie bei den Figuren Nix und Nixe (auch Adam und Eva) im Innern der Wasserkunst endeten. Aus diesen Freipfosten-Figuren sprudelt nun außerhalb der Kunst wieder Wasser; die bronzenen Originale bewahrt das Stadtgeschichtliche Museum Schabbelhaus in der Ausstellung auf. Ein seltener, kulturgeschichtlicher Hinweis darauf, dass die Nixen als Wassergeister in Familienverbänden lebten und Männer wie auch Kinder hatten.

Trommelschläger

Die unterirdisch verlegten Holzwasserleitungen und Geschichten um unterirdische Gänge innerhalb der Stadt regten stets die Phantasie der Bürger an. Die meisten Gänge gibt es nur in den Köpfen der Menschen, sagen Archäologen, denen meist konkrete Belege dafür fehlen. So sollte vom Franziskanerkloster (heute Große Stadtschule) ein unterirdischer Gang in Richtung St. Jakob nach Süden verlaufen. Im 19. Jh. soll hier noch ein vermauerter Zugang gewesen sein. Einst war ein Trommelschläger zum Tode verurteilt worden.

Der Soldat wurde vom Kommandanten „begnadigt“ und musste den Gang trommelnd entlanglaufen, da man wissen wollte, wie weit dieser reichen würde. Käme er lebend durch, wäre er frei. Oben folgte man dem Schall der Trommel. Über die ABC-Straße und die Altböterstraße verfolgte man die Töne bis zum Markt. Als wäre der Gang für den Wasserablauf gedacht, verstummten die Trommelschläge bei der Wasserkunst. Der Soldat wurde nie mehr gesehen. Abends, wenn es ruhig geworden ist in der Stadt, soll man die Trommelschläge aus der Wasserkunst noch hören können.

Text: Hartmut Schmied, Geister, Götter, Teufelssteine. Sagen- & Legendenführer Mecklenburg-Vorpommern 2018, 3. Auflage, Rostock 2018, Seiten 203-204

Bild: Nix und Nixe an der Wasserkunst Wismar, Foto: Hartmut Schmied