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Rostock - Die Rostocker Aalschlange am Rathaus

Boitin, Landkreis Rostock

Das Stonehenge von Mecklenburg

Der Boitiner Steintanz (nach dem Reigen- oder Kreistanz) gilt als das »Stonehenge« von Mecklenburg. Von Sternberg aus fährt man in nördlicher Richtung an Groß Raden vorbei. Im Forst zwischen Diedrichshof und Tarnow liegt auf halber Strecke an der höchsten Stelle der berühmte Steintanz. Da es drei größere (Durchmesser 7–12 m) Kreise und ein kleiner Kreis (etwa 150 m südöstlich der großen Kreise) sind, wird die Anlage auch »Boitiner Steintänze« genannt. Hartnäckig hält sich die These von einer 3000 Jahre alten Sternwarte, die schwerlich zu belegen sein wird, da über die Jahrtausende die Steine wohl ebenso wie die in Stonehenge verschoben wurden.

Der auffälligste Stein dieser alten Kult- oder Begräbnisstätte aus der vorrömischen Eisenzeit hat dreizehn Einkerbungen und wird die »Brautlade« genannt. Alle Steine zusammen sind der Legende nach eine versteinerte Hochzeitsgesellschaft mit Kutsche und Brautla- de. Wie bei Steinverwandlungen üblich, wurde auch hier ein Frevel begangen. Die ausgelassene Hochzeitsgesellschaft kegelte zum späten Abend mit Würsten und Broten. Zur Strafe wurde sie von einer alten Frau in Stein verwandelt.

Jedes Jahr zum Johannistag (24. Juni) hängt ein roter Lebensfaden zur versteinerten Welt aus der »Brautlade« heraus. Wer ihn mutig zur Mittagszeit herauszieht, kann den Schatz, der in der Lade verborgen sein soll, heben.

Text: Hartmut Schmied, Geister, Götter, Teufelssteine. Sagen- & Legendenführer Mecklenburg-Vorpommern 2018, 3. Auflage, Rostock 2018, Seite 23-24
Bild: Boitiner Steintanz, Foto: Hartmut Schmied